Samstag, 16.5.26 / Victoria, BC

Nach sechs Stunden Schlaf ist N gegen 3 Uhr nachts wieder wach. Hm, gestern hat das noch besser geklappt. Egal – wir nutzen die Zeit, laden die Bilder von gestern und vorgestern hoch, und diktieren N ein wenig Reisebericht, da sie schneller tippen kann als ich mit den Pfoten, denn mal ehrlich die Tasten sind doch eindeutig viiiiiiiel zu klein.

Langsam wird es hell, Zeit aufzustehen.

Gerade als wir unser Zimmer verlassen, kommt auch die Dame aus dem benachbarten Ivy Room heraus und fragt als Erstes, ob N allein unterwegs sei. Ähmmm – seltsam. Wir gehen hinüber ins Imagine Studio Café zum Frühstück. N überreicht den Frühstücksgutschein des B&B und entscheidet sich für eine Quiche mit Salat und dazu Kaffee. Wir setzen uns ans Fenster, und während N noch einmal nachschaut, welchen Weg wir gleich am besten nehmen, setzt sich die Dame von vorhin neben uns und versucht N hartnäckig, ein Gespräch aufzuzwingen.

Sie möchte wissen, woher wir kommen – ah, aus Deutschland. Sie sei hier, um später bei einem deutschen Festival im Chor zu singen; das wäre doch sicher auch für uns interessant. Nun ja: Wir sind bestimmt nicht nach Kanada gereist, um auf ein deutsches Chorfest zu gehen – wahrscheinlich würden wir nicht einmal in Deutschland hingehen. Ob N nicht Lust hätte mitzumachen? Sie träfen sich regelmäßig in Richmond. Ähm … wir wohnen, wie gesagt, in Deutschland.

Leider scheint die Dame zwischenmenschliche verbale und nonverbale Signale nicht besonders gut zu deuten, denn sie versucht es gleich noch einmal und fragt, wie unser Bett im B&B sei. Oookay … ihres sei kaputt gewesen, und sie überlege, ob sie der Besitzerin Bescheid geben solle. Puh. N trinkt ihren Kaffee zügig aus, und mit einem Gruß an die Dame, die glücklicherweise heute weiterfährt, verlassen wir das Café.

Da es heute Vormittag regnen soll, entscheiden wir uns für einen Museumsbesuch und gehen ins Royal BC Museum direkt neben den Parliament Houses. Die Eintrittskarte hat N bereits gestern Abend erheblich günstiger online über tiqets besorgt. In der zweiten Etage befindet sich eine mit viel Liebe zum Detail gestaltete Ausstellung über die Naturräume British Columbias. Besonders die Dioramen beeindrucken uns, ebenso der „echte“ Tidepool im Küstendiorama. Laut Hinweisschild darf man dort allerdings nur hineinfassen, wenn man Kiemen oder Flossen besitzt – das trifft auf uns dann wohl eher nicht zu.

Sunny: "Ist der echt?"
Ty: "Genauso echt wie wir."

Besonders lohnenswert finden wir auch die nachempfundene historische Straße. Ähnliches haben wir zwar schon in anderen Museen gesehen, doch hier ist der besondere Reiz, dass man einige der Gebäude tatsächlich betreten kann.

  • Im Kino kann man in den Sesseln platznehmen und eine Dokumentation schauen.
  • Man kann das Hotel und den Flur zu den Zimmern in der 1. Etage betreten.
  • In Chinatown gelangt man in ein Fotostudio im oberen Stockwerk und kann dort sogar ein „Photo“ machen lassen.
  • In der Wartehalle des Bahnhofs kann man Platz nehmen und ab und an fährt ein Zug vorbei. (Obwohl das etwas seltsam ist, denn Ns Info nach hat(te) Victoria keinen Bahnhof.)

Insgesamt ist das alles aber sehr ansprechend umgesetzt und es gibt viele detaillierte Kleinigkeiten zu entdecken.

Der Weg durch die Ausstellung führt auch durch die HMS Discovery, die unter Kapitän George Vancouver im Rahmen der Vancouver Expedition das erste europäische Schiff im Victoria Harbour war.

Im Shop des angegliederten IMAX Kinos wird N unverhofft fündig, denn sie hatte noch nie so einen Ring, der je nach Temperatur die Farbe wechselt und da der nur knapp 5€ kostet, nimmt sie einen mit.

Mit dem angekündigten Regen war es wohl nichts: Als wir das Museum nach etwa drei Stunden kurz vor Zwei verlassen, scheint herrlich die Sonne und vor den Parliament Buildings ist einiges los mit Musik und Ständen.

Wir gehen ins benachbarte Fairmont Empress Hotel, denn N hat uns dort für 14 Uhr einen Tisch zum Afternoon Tea reserviert. Auf Empfehlung unseres Kellners Raymond, der sich sehr aufmerksam um uns kümmert, entscheiden wir uns für den Lady Londonderry Tee. Normalerweise werden zum Champagner Pralinen serviert erfahren wir, da Raymond jedoch nicht ausschließen kann, dass Haselnüsse enthalten sind, schlägt er vor, uns stattdessen einfach die doppelte Menge Champagner zu geben, sofern das für uns in Ordnung ist. Mit einem Lächeln fügt er hinzu, dass er das ohnehin für die bessere Wahl gegenüber den Pralinen halte.

Vielleicht wird Raymond nicht allzu oft nach Empfehlungen gefragt, denn zum Abschied bekommen wir von ihm noch etwas Lady Londonderry Tee zum Mitnehmen, damit wir ihn auch daheim noch einmal genießen können.

Da es inzwischen zu regnen begonnen hat (der Wetterfrosch hat offenbar Schwierigkeiten Vor- und Nachmittag auseinanderzuhalten), verschieben wir den eigentlich geplanten Stadtbummel auf morgen und setzen uns stattdessen in die Q-Bar des Hotels. N bestellt einen Negroni Sbagliato. Der Bartender muss allerdings erst beim Mixologen nachfragen, was genau das ist – etwas überraschend für eine Bar, die angeblich eine der Top-50-Bars Kanadas ist. Serviert wird der Drink dann im Sektglas und zunächst ohne Eis. Das geht für N gar nicht, also bestellt sie noch Eis nach. Geschmacklich kann der Negroni den etwas holprigen ersten Eindruck zum Glück aber wieder wettmachen. Das gilt allerdings nicht für das mit Kohlegewürz angerichtete Popcorn. Sieht eher aus als wäre es schlecht geworden finden wir. Der lokale Empress Indigo Gin, der hier in der Bar verwendet wird, ist für optisch eindrucksvolle Cocktails gemacht. Gibt man Tonic, Zitronen- oder Limettensaft dazu, verändert sich durch den geänderten pH-Wert die tiefblaue Farbe in Rosa-, Fuchsia- oder Lavendelfarbtöne.

Sunny: "Hach, genau mein Ding."
Ty: "Mädchen...!"

N weist dezent darauf hin, dass viele Herren an der Bar diesen Gin trinken. Unser Urteil: die Bars in London hatten mehr Stil und die Bartender konnten ihr Handwerk Ns Eindruck nach besser, dennoch verbringen wir hier eine angenehme Zeit und N unterhält sich nett mit dem Paar aus Vancouver neben uns. Leider regnet es noch immer, als wir uns gegen 17 Uhr auf den Rückweg zum B&B machen. Abendessen brauchen wir heute dank des üppigen Tees vorhin nicht mehr.

Unsere Bleibe: Victoria - Fisherman's Wharf Floating Bed & Breakfast

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