Mittwoch, 3.6.26 / Lantzville, BC > Delta, BC

Der Morgen begrüßt uns mit einem wunderbaren Sonnenaufgang, den wir dank Ns Planung live erleben dürfen, denn heute früh geht’s wieder zurück aufs Festland – was Sunny und ich natürlich erst mal mit einem langen, synchronen Seufzer quittieren.

Die Vermieter hatten gestern Abend ganz freundlich gemeint, wir könnten ruhig spät abreisen, niemand würde heute nach uns kommen. Sunny fand das „angenehm bärengerecht“ und ich hatte schon angefangen, mir ein spätes Frühstück auszumalen.

Aber dann erinnert N uns an die bereits Monate‑im‑Voraus‑gebuchte‑Fähre. Wenn N einmal eine Uhrzeit festgelegt hat, ist das für uns so verbindlich wie die Schwerkraft. 10.15 Uhr, geht es auf die Fähre von Duke Point nach Tsawwassen. Keine Diskussion, keine Verzögerung.

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N meint trocken: "Die Fähre wartet nicht auf zwei Bären, die noch gemütlich auf dem Balkon sitzen."

Das ist wohl leider korrekt. Also packen wir unsere Siebensachen, wir tun so, als würden wir helfen, und dann verlassen wir die Unterkunft. Ein letzter Blick zurück, ein kleiner Stich Wehmut, aber auch dieses leise Kribbeln, wenn eine neue Etappe beginnt. Pünktlich sind wir am Fährterminal, es fallen ein paar Regentropfen, daher gestaltet N die Wartezeit mit dem erneuten Versuch, einen Bösewicht im Schottischen Hochland dingfest zu machen und trinkt dabei in Ruhe den Kaffee, den sie vorhin noch in weiser Voraussicht in die Thermos Tasse gefüllt hat. Auf der Fähre muss sie dann aber auch erstmal ein gewisses Örtchen aufsuchen, um den Kaffee wieder zu entsorgen.

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Ein letzter Blick auf Nanaimo.

Danach schlendern wir über das Deck. Diesmal verläuft die Fährstrecke allerdings weniger malerisch, nicht wie auf der Hinfahrt zwischen den Inseln, die Aussicht wirkt entsprechend breiter, aber auch ein bisschen… na ja, generischer. Nach ein paar Minuten nicken wir uns zu — genug frische Luft — wir gehen wieder unter Deck.

N besucht "kurz" den Bordshop, denn dort wartet die rote Thermoskanne mit Teesieb und Rabenmotiv, die sie auf der Hinfahrt schon so unauffällig beäugt hat, dass es eigentlich auffällig war. Jetzt nimmt sie sie einfach mit. Entscheidung getroffen, Rabe adoptiert. Wir finden ja, N hat schon genug Kannen und Flaschen, aber wer fragt uns schon, wir sind ja nur die Begleitbären.

Nach etwa zwei Stunden legen wir wieder an. N fährt zum Hotel, um das Gepäck abzuladen, mit der kleinen Hoffnung, dass vielleicht schon ein Zimmer frei ist. Und tatsächlich: Glück gehabt. Wir können direkt hoch. Das Gepäck nach oben zu bringen ist dank Tiefgarage und Fahrstuhl ein Bären… ähm, Kinderspiel. Für N jedenfalls.

N will ihr mittelblaues Paar Skechers gegen ein neues eintauschen. Verständlich: Die Schuhe, die sie gerade an den Hinterpfoten trägt, haben mehrere Jahre Dauereinsatz hinter sich und sehen inzwischen so aus, als hätten sie persönlich jeden Wanderweg auf Vancouver Island kartiert. Also stehen jetzt die nahegelegenen Tsawwassen Mills auf der Agenda. Ty und Sunny nicken das ab — Shopping ist schließlich eine Aktivität, bei der man zuverlässig getragen wird und trotzdem so tun kann, als würde man beratend eingreifen.

Natürlich findet sie 2 Paar, typisch. Das mittelblaue Paar an den Pfoten wird aber noch in der Mall gegen das neue Paar getauscht.

Danach steht Kofferpacken auf der Tagesordnung, und als Abendessen gibt es Reste — die klassische Ende‑der‑Reise‑Kombination. Das Zimmer hat zwar eine Wetbar, aber keinerlei Geschirr oder Besteck. Für die meisten wäre das ein kleines logistisches Problem, für N eher ein Moment stiller Genugtuung: In unserer Kühltasche befindet sich nämlich nicht nur ein Korkenzieher/Flaschenöffner, sondern auch ein kompletter Satz Besteck. Wir beobachten das mit professioneller Anerkennung. Vorbereitung ist schließlich die halbe Miete.

Unsere Bleibe: Delta - Coast Tsawwassen Inn

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